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Philosophie

Klassiker kauft man aus Leidenschaft...

Zündapp Janus

Hersteller: Zündapp-Werke GmbH, Nürnberg  

Modell: Janus 250

Baujahr: 1958

Stückzahl: 6.902 Exemplare  

Karosserie: Selbsttragende Ganzstahlkarosserie mit Vorder- und Rückwärtseinstieg

Motor: Zweitakt-Einzylinder liegend mit Gebläsekühlung

Hubraum in ccm: 245 ccm

Leistung: 10 kW (14 PS)

Getriebe: 4-Gang-Schaltgetriebe, Schalthebel links an der Seitenwand

Leergewicht: 425 kg

Lackierung: Zweifarbenlackierung in Elfenbein und Ocker

Innenausstattung: Kunstleder, 4 Sitzplätze

Dokumente: Originaler, vom Werk ausgestellter Pappdeckel-Kfz-Brief mit 2 Haltereinträgen, Bedienungsanleitung und Verkaufsprospekt. 

Werks-Sonderausstattungen: Zweifarbenlackierung, Heizung, Stoßstangen verchromt, Radzierdeckel       

Sonstiges: Deutsche Auslieferung, vollständige Besitzerhistorie, übereinstimmende Fahrgestell- und Motornummer. Inspektion und neue Hauptuntersuchung werden vor Übergabe frisch durchgeführt. 

Nach dem zweiten Weltkrieg durften in Deutschland keine Flugzeuge mehr gebaut werden. Dadurch hatten die großen Flugzeugbauer wie Messerschmitt und Dornier nichts mehr zu tun. Da es aber eine große Nachfrage nach preiswerten Kleinwagen gab, entwickelte Messerschmitt den Kabinenroller und Dornier den Kleinwagen Delta. Da für Dornier die Aufhebung des Flugzeugbauverbots absehbar war und man sich sorgte, dass sich eine Serienproduktion nicht rechnet, vergab man die Lizenz zum Bau an den Nürnberger Motorradhersteller Zündapp. Zündapp optimierte das kluge Konzept, bot den Insassen mehr Platz und gestaltete die Karosserie gefälliger. Da das Auto bis auf die Beleuchtung vorne und hinten identisch war, nannte man es Janus. Benannt nach dem zweigesichtigen römischen Gott des Anfangs und des Endes. Bis alles fertig, serien- und produktionsreif war und die Kundenauslieferungen beginnen konnten, war es Juni 1957 geworden. Das deutsche Wirtschaftswunder lief auf Hochtouren, die Einkommen stiegen- und damit die Ansprüche. Die Leute wollten jetzt keine Kleinstwagen mehr, sondern "richtige" Autos und so kam nach nur 16 monatiger Produktion und nur 6.902 gebauten Janus schon das Aus. 

Es ist tragisch, dass man seiner Zeit so weit voraus sein kann und trotzdem zu spät kommt. Denn das Konzept war ziemlich genial: Die Türen vorne und hinten, damit auch Front- und Heckscheibe, die Stoßstangen vorne und hinten, die beiden Sitzbänke und die drei Seitenscheiben rechts und links sind völlig identisch, was Produktions- und Lagerhaltungskosten massiv reduzierte. Durch den exakt mittig angeordneten Motor und die Rücken an Rücken Sitzanordnung entstanden im Innenraum optimale Platzverhältnisse- bei einer Außenlänge von ganzen 2 Meter 89.

Wer heute auf einen Zündapp Janus zugeht, fühlt sich schnell an den kleinen Kinderomnibus erinnert, der früher auf den Jahrmarkt-Karussells zwischen den Kindermotorrädern und dem Feuerwehrauto im Kreis fuhr. Tatsächlich aber ist der Janus ein toll durchgetüfteltes Auto: Weil in den fünfziger Jahren die Reiselust der Deutschen erwachte und preiswertes Camping Hochkonjunktur hatte, konstruierte man die Sitzbänke so, dass man mit nur zwei Handgriffen und ohne jedes Werkzeug die Sitzbänke in ein durchgehendes, gepolstertes Doppelbett verwandeln kann. Die Bedienungsanleitung empfiehlt übrigens, das Kopfkissen am Lenkrad anzulehnen. 

Stichwort Urlaub: Eine solche Panorama-Rundumsicht wie sie der Janus bietet, ist bis heute von keiner anderen Limousine mehr erreicht worden. Und von den acht Scheiben, können vier ausgestellt- und so ein stetiger, sanfter Luftzug durchs Auto geführt werden. Sozusagen eine manuelle Klimaanlage.

Dass der Zündapp Janus "Made in Germany" ist, merkt man an den auch nach 61 Jahren noch sauber schließenden Türen und beim starten. An der Lenksäule muss man nur einen metallenen Schieber eindrücken und der Janus läuft. Schneller startet auch eine heutige S-Klasse nicht. Zum abstellen des Motors den Schieber einfach wieder ziehen und der Janus ist still. Kein Choke, kein vorglühen, kein nichts. Schieber drücken- läuft! Man braucht nicht einmal einen Zündschlüssel. Der Janus hat zwar einen Schlüssel aber der ist nur für das Lenkradschloss. 

Geschaltet wird über einen Schalthebel der links an der Seitenwand angebracht ist und -ähnlich wie beim Motorrad- nur nach vorne oder hinten bewegt wird. Ein Anzeige über dem Tachometer zeigt dabei den jeweils eingelegten Gang an. Verblüffend gut ist auch das Fahrwerk: Pendelachsen mit hydraulisch gedämpften Schraubenfedern, Drehstab-Stabilisator und Schubschwingen wie beim Citroen 2CV. Der Federungskomfort des Zündapp Janus ist vielen luxuriösen Limousinen der damaligen Zeit deutlich überlegen und immer noch gut für abenteuerliche Kurvengeschwindigkeiten.

Dieser Zündapp Janus wurde am 13. Mai 1958 auf den Musiker Hermann Peemöller in Lübeck zugelassen. So weiß es der noch ganz originale Kfz-Brief. Zwei Jahre später ging er an einem Maler aus dem Gorch-Fock-Weg in Timmendorfer Strand. 1974 wurde er abgemeldet, 1993 verkauft und vom Erwerber restauriert. Danach ist er nur noch gelegentlich mit roter Nummer bewegt worden. Die Laufleistung von 72.466 km ist original. 

Übrigens: Für den Sohnemann gab es im Zündapp-Zubehör eine Lenkrad-Attrappe und der Verkaufsprospekt war gedichtet wie ein Lurchi-Buch. Kostprobe: "Ja!! Lauernd durch die Windschutzscheibe ging man der Straße kühn zu Leibe" oder "Unser Motor ist -gebt acht- in der Mitte angebracht, leicht erreichbar und bequem, was besonders angenehm." Dieses Auto muss man doch lieben. Ich lasse jeden 911er dafür stehen. Außerdem hat der Janus zwei Auspuffrohre und der 911 nur eins...!

RESERVIERT (Verkauf in Abwicklung)



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